Durchführung des dritten Moduls von Amaro Drom-Erwachsenenbildungsmaßnahmen

Das dritte Modul von Ausbildungsmaßnahmen "Forschung und politische Bildungsarbeit gegen Antiziganismus", welches zwischen 9. und 11. Juli stattfand, wurde erfolgreich abgeschlossen. Wir bedanken uns bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die dabei waren und freuen uns bereits darauf, sie mit ihren Vorträgen beim 4. Modul im August begrüßen zu können!

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Offener Brief von Gjulner Sejdi an die Sächsische Zeitung und die Organisatoren der Jazztage zum Interview in der SäZ am 23.06.2021

Sehr geehrte Redaktion der Sächsischen Zeitung, 

sehr geehrte Organisatoren des Jazzfestivals Dresden,

sehr geehrte Interessierte und Unterstützer,

sehr geehrter Herr Dallmann,

sehr geehrter Herr Forster,

 

mit Entsetzen haben wir ihr Interview in der sächsische Zeitung gelesen. Sie verwenden das Z-Wort frei und unkritisch, stellen es dar, als sei es geschützt von der Freiheit der Kunst und von dem Wunsch von Einzelpersonen, Sie lassen es so aussehen, als ginge es hierbei nur um ein Wort und dessen Zusammenhang, in dem es verwendet wird.

Dem ist nicht so, denn mit der Verwendung des Z-Wortes werden unsere Rechte missachtet, werden wir diskriminiert!

Das Z-Wort steht in Verbindung mit dem Völkermord den Deutschland an uns verübt hat, mit den Menschenversuchen, die uns angetan wurden und mit der jahrhundertelangen Diskriminierung, die uns bis heute angetan wird! Das Z-Wort kommt nicht von uns, es wurde uns aufgezwungen, es wurde unseren Menschen in Auschwitz eintätowiert, sie wurden darunter registriert, es war war das Signal zur Vernichtung, die Einleitung zum Völkermord.

Die Menschen sind tot, ihre Namen sind tot, aber das Z-Wort wird immer noch von Menschen wie Ihnen am Leben erhalten. Sie nutzen in blutiges Wort für Kunst und Musik, sie feiern und erfreuen sich dadurch auf dem Leid der Toten, das ist unredlich und schäbig und hat nichts mit Kunst und Freiheit zur tun.

Wir - die Roma und Sinti Sachsen - distanzieren uns mit aller Stärke von diesem Begriff und von Menschen und Medien, die diesen verwenden.

Als Minderheit in Deutschland und in ganz Europa werden wir seit Jahrhunderten diskriminiert. Es gipfelte in dem Völkermord, den die Nationalsozialisten an unseren Vorfahren begangen haben. Unsere Angehörigen wurden nicht nur ermordet sondern auch für grausame Versuche missbraucht. Auch nach der Nazi-Zeit gab es keine Wiedergutmachung. Diskriminierung und Ausgrenzung, Verfolgung und Verhaftung fanden weiterhin statt, alte Täter saßen in neuen Ämtern und zerstörten weiterhin das Leben unserer Familien in Deutschland. Das Z-Wort war bei all diesen Untaten allgegenwärtig und wurde benutzt. Wir wurden als Z ermordet, missbraucht, ausgegrenzt, vernichtet. Die Bundesrepublik Deutschland hat dies lange Jahre tabuisiert, nicht zugegeben und erst Anfang der 80er Jahre den Völkermord an uns anerkannt.

Wir haben eine Eigenbezeichnung, wir nennen uns Romni und Rom, Sintezza und Sinto. Die Gruppe der Roma besteht aus vielen unterschiedlichen Gruppen, die alle eine eigene Bezeichnung haben aber niemand von uns nennt sich in unserer Sprache - dem Romanes - jemals Z. Das Z.- Wort ist eine Fremdbezeichnung. Diese Fremdbezeichnung diskriminiert uns und ist stark verbunden mit dem Leid, welches uns im Nationalsozialismus zugefügt wurde und welches uns auch heute noch in vielen Ländern zugefügt wird. Erst letzten Samstag am 19.06.2021 wurde unweit von Dresden ein junger Rom in Teplice von der Tschechischen Polzeit ermordet - weil man als Z. in Tschechien diskriminiert wird.

Selbst wenn es Menschen gibt, die sich als Z. bezeichnen möchten, gibt das Außenstehenden - Gadje oder Hale (Bezeichnung in Romanes für Nicht-Roma oder Nicht-Sinti) nicht das Recht, diese Bezeichnung zu verwenden und 12 Millionen Roma und Sinti in Europa zu diskriminieren.

Wir fordern die SäZ auf, sich deutlich von der Verwendung dieses rassistischen Begriffs zu distanzieren und deutlich zu machen, dass es in der Sächsischen Medienlandschaft keinen Platz für Rassismus und rassistische Bezeichnungen gibt! Und wir fordern Sie Herr Forster auf, sich mit unserer Geschichte und dem Völkermord auseinander zu setzen und Diskriminierungen zu vermeiden und nicht mehr mit „Freiheit der Kunst“ gleich zu setzen.

Wir fordern die SäZ auf, statt dessen darüber zu berichten, wer wir Roma und Sinti sind, und warum die heutige Gesellschaft sich deutlich von Rassismus gegen Sinti und Roma distanzieren muss.

Es geht nicht um Perspektiven oder um Freiheit der Kunst. Es geht um Respekt, Respekt vor uns der größten Minderheit Europas und der Menschengruppe, die zu den Opfern des Nationalsozialismus gehört und die noch heute stark von Rassismus betroffen ist. Es geht um Haltung, Haltung für Menschlichkeit und Gerechtigkeit! Es geht darum, ob man sich auf die Seite von Rassisten stellen will oder dagegen!

 

Gjulner Sejdi

Verband der Roma und Sinti in Sachsen

Romano Sumnal -
Verband der Roma und Sinti in Sachsen

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Statement anlässlich des Vorfalls in Teplice am 19.06.2021

Wir sind zutiefst empört über die polizeiliche Gewalt in Tschechien und übermitteln der Familie und Verwandten des Opfers unser aufrichtiges Beileid.

Mehr über den Vorfall aus Teplice könnt ihr aus dem Artikel von Romea.cz und unserem Statement nachlesen.

 

Der Artikel von Romea.cz ist unter dem folgenden Link verfügbar:

http://www.romea.cz/en/news/czech/romani-man-dies-after-czech-police-kneel-on-his-neck-they-say-drugs-caused-his-death.romani-activists-see-parallels-to

 

Statement anlässlich des Vorfalls in Teplice am 19.06.2021

in den letzten Wochen und Monaten, kam es immer wieder zu öffentlichen Eingriffen und antiziganistischen Vorfällen. 

Der Anschlag in Hanau, in Halle, in Plauen aber auch in Tschechien zeigt uns, dass der Antiziganismus und Rassismus gegen unsere Minderheit weiterhin in der heutigen Gesellschaft weltweit stark verankert ist. 

Am Samstag, den 19. Juni 2021 starb Stanislav Tomà, in Teplice, Tschechien nach einem brutalen Polizeieinsatz durch drei Polizisten auf offener Straße. 

Dieser Vorfall errinert erschreckend an den grausamen Mord von George Floyd in USA. 

Dieser Tat schreibt sich erneut als ein trauriger Höhepunkt von Gewalttaten und schlimme Ereignisse von einer jahrzehntelangen systematischen Verfolgung unserer Minderheit. 

Der Umgang mit Stanislav aber auch andere Vorfälle zeigen wie brutal und rücksichtslos mit unsere Minderheit umgegangen wird.

Der erneuter Gewalt und Umgang mit Rom*nja und Sinti*ze durch staatliche Stellen ist kein "fehlerhafter Einzelfall", sondern eine bis heute andauernde Praxis der Verfolgung von Sinti*ze und Rom*nja, die zum Genozid an den europäischen Rom*nja und Sinti*ze während des Nationalsozialismus führte. Wir kritisieren den erneuten Gewalt und Ermordung in Tschechien durch die Polizei aufs schärfste und fordern die Aufklärung und Einstellung dieser Praxis. Die Vorfälle zeigen erneut, wie dringend notwendige Maßnahmen zur Rassismussensibilisierung in staatlichen Institutionen erfolgen müssen. Wir fordern, dass diese Maßnahmen zum Pflichtbestandteil der Polizeiausbildung in Deutschland werden.

Liebe Mitbürger, liebe Community es ist die Zeit gekommen, dass wir solche Taten nicht mehr einfach zusehen und tolerieren. Wir müssen endlich uns zusammen gegen diese Taten und schlimme Ergebnisse stellen. 

Ajriz Bekirovski

Bundesvorsitzender Amaro Drom e.V.

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Online-Workshop zum Thema Geschiche und Kultur der Roma am 25.06.2021

Am 25. Juni um 17 Uhr findet im Rahmen unserer digitalen Sommer-Veranstaltungsreihe der Online-Workshop zum Thema Geschichte und Kultur der Roma unter der Leitung von Prof. Dr. Hristo Kyuchukov statt. Alle Personen, die an der Teilnahme interessiert sind, können sich zum Workshop bis 24. Juni unter dem folgenden Link anmelden:

https://us02web.zoom.us/meeting/register/tZwsdeygrjIpGdDlWWHFv4KelPOKkvGqTm1W



Wir freuen uns auf eure zahlreiche Teilnahme!

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Veranstaltung zum Thema "Online-Hass gegen Sinti*ze und Rom*nja - was tun? Was tun!" am 10.06.2021

Hass und Hetze gegenüber Sinti*ze und Rom*nja ist in fast allen Online-Formaten zu finden. Dieser Hass bedient sich tief verwurzelten und gesellschaftlich weit akzeptierten antiziganistischen Vorurteilen und Stereotypen. Hassrede und strafbare Inhalte kommen nicht nur vom extrem rechten Rand, sondern auch aus der Mehrheitsgesellschaft. Antiziganistische Aussagen, wie sie z.B. im Format "Die letzte Instanz" gefallen sind, scheinen vielfach gesellschaftlich akzeptiert. Bereits 2018 hat jugendschutz.net, der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma eine gemeinsame Recherche zu antiziganistischen Hassinhalten online durchgeführt. In der aktuellen Veranstaltung sollen Schlaglichter der Recherche, aktuelle Ergebnisse und eigene Erfahrungen die Basis bilden für eine Diskussion und Erfahrungsaustausch über Gegenstrategien, Handlungsoptionen und Möglichkeiten unterschiedlicher Akteur*innen, gegen antiziganistischen Hass im online aktiv zu werden.

Alle Personen, die an der Teilnahme interessiert sind, können sich zur Veranstaltung bis 09. Juni unter dem folgenden Link anmelden:

https://us02web.zoom.us/meeting/register/tZAkceCqrjIqH9I0nF-veJY4m3N1BfeSki5S

Wir freuen uns auf eure zahlreiche Teilnahme!

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