Jugendbegegnung "Dikh angle!" 2017

Junge Rom*nja und Sinti*zze begegneten sich anlässlich des Genozid-Gedenktages 2. August in Berlin

Vom 31. Juli bis 3. August 2017 fand bereits zum dritten Mal die Veranstaltung „Dikh angle! Nach vorne schauen!“ in Berlin statt. Die Jugendbegegnung zum Gedenktag 2. August beschäftigt sich mit der Frage was die Verfolgungsgeschichte und die Kämpfe der Bürgerrechtsbewegung für junge Rom*nja und Sinti*zze heute bedeuten. 2017 wurde die Veranstaltung erstmals in Zusammenarbeit mit dem feministischen Archiv „RomaniPhen“ organisiert. Unter dem Motto "Dikh angle! Nach vorne schauen!" kamen über 20 junge Rom*nja aus Berlin und weiteren Bundesländern zusammen.

Am 1. August besuchten die Teilnehmenden einen Workshop zum Thema Verfolgungsgeschichte, Völkermord und Bürgerrechtsarbeit. Der Workshop wurde von der Bürgerrechtlerin Anita Awosusi und Isidora Randjelovic durchgeführt. Anita Awosusi ist Bürgerrechtlerin der ersten Stunde. Ihr Vater Hermann Weiß hat Auschwitz überlebt. Über sein Leben hat sie das Buch „Vater unser!“ geschrieben. Isidora Randjelović leitet das feministische Romani Archiv RomaniPhen. Außerdem schreibt und lehrt sie zu Rassismus gegen Rom*nja, Selbstorganisierung sowie Empowerment.

Im Workshop der beiden Aktivist*innen vertieften die Jugendlichen ihr Wissen über die Geschichte der Verfolgung und diskutierten was Widerstand für sie bedeutet. Die fünfzehnjährige Teilnehmerin Vahide erklärte, dass für sie Widerstand auch sei nachzufragen, zu diskutieren und aufzuklären: "Ich habe mal erlebt, dass ein Junge mich und meine Freunde immer wieder 'Zigeuner' genannt hat", erzählte sie. "Ich bin hingegangen und habe ihn gefragt, ob er überhaupt weiß, was das bedeutet. Dann habe ich ihm erklärt, dass das Wort eine Beleidigung ist."

Auf die Frage, warum die Verfolgungsgeschichte für junge Rom*nja und Sinti*zze heute eine Rolle spiele, antwortete der zwölfjährige Teilnehmer Rayyan: "Weil wir damals verfolgt wurden und heute immer noch diskriminiert werden." Andere Teilnehmende erklärten, es sei für sie wichtig zu verstehen, was ihren Vorfahren damals passiert sei und warum es passiert sei.

Am Vormittag des 2. August fuhren die Jugendlichen an einen zentralen Ort der Verfolgung der Berliner Sinti*zze und Rom*nja. Am ehemaligen Zwangslager Marzahn wurde im Jahr 2011 ein Ort der Erinnerung und Information eingeweiht. Die Jugendlichen erarbeiteten Präsentationen zu den dort ausgestellten Biografien, zu denen die Geschichte des Auschwitz-Überlebenden und Bürgerrechtlers Otto Rosenberg gehört. Am Abend des zweiten Augustes besuchten die Teilnehmenden die Gedenkveranstaltung „... Ohne Worte ... Keine Tränen.“ am Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas.

Joschla Weiß arbeitet als pädagogische Leiterin im Projekt "Dikhen amen! Seht uns!". Das Ziel der Jugendbegegnung zum 2. August fasste sie folgendermaßen zusammen: "Aus dem Blick in die Vergangenheit können wir lernen, wie mit dem Genozid umgegangen wurde, wie er verarbeitet wurde und welche Stärken daraus entstehen mussten. Von der Beschäftigung mit der Bürgerrechtsarbeit geht eine große Kraft aus, denn es geht dabei um Widerstand. Es ist wichtig, sich zu erinnern und gleichzeitig den Blick nach vorne zu richten."

Genozid-Gedenktag 2. August

In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 wurde in Auschwitz-Birkenau das Lager, in dem Sinti*zze und Rom*nja inhaftiert waren, aufgelöst. Nachdem alle als arbeitsfähig eingestuften Gefangenen nach Deutschland zur Zwangsarbeit deportiert wurden, ermordeten SS-Angehörige in der Nacht auf den 3. August 1944 die fast 3.000 verbliebenen Rom*nja und Sinti*zze in Gaskammern – darunter vor allem Frauen, Kinder und ältere Menschen. Aus diesem Grund finden jedes Jahr am 2. August in Berlin und ganz Europa Gedenkveranstaltungen statt. Insgesamt wurden während des Nationalsozialismus 90 % der europäischen Rom*nja ermordet (ca. 500.000 Menschen). Über 20 Jahre lang haben Sinti- und Roma-Aktivist*innen für die Errichtung eines Denkmals gekämpft. Im Jahr 2012 wurde das Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma Europas in Berlin eingeweiht.

Presse bei der Jugendbegegnung

Die Presseeinladung vom 25.7.2017 zur diesjährigen Jugendbegegnung stieß auf Interesse. Beim Besuch des Ortes der Erinnerung und Information am ehemaligen Zwangslager Marzahn, interviewte die slowakische Filmemacherin Paula Durinova einige der Teilnehmer*innen. Die Interviews mit den Teilnehmenden wurden am 5. Oktober 2017 im Rómsky Magazín "Sam Khere" im RTVS (Slowakisches Staatsfernsehen) ausgetrahlt und können HIER angesehen werden (ab Minute 17:20). Auch Milan Swarowsky von der Amadeu Antonio Stiftung sprach vor Ort mit den Teilnehmer*innen und verfasste den Artikel "Es ist sehr emotional, wir sind hier mit gemischten Gefühlen" für die Webseite und den September Newsletter der Stiftung. Merfin Demir, Ko-Vorstandsvorsitzender von Terno Drom, gab ein Live-Interview zur Bedeutung des Gedenktages 2. August bei Cosmo Radio. Am 3.8.2017 erschien im Neuen Deutschland der Artikel "Roma und Sinti kämpfen gegen das Vergessen" über die Jugendbegegnung. Im Oktober erschien außerdem ein Artikel über die Veranstaltung in der Berliner Bildungszeitschrift bbz der GEW, der HIER gelesen werden kann.

 

"Dikh angle! Nach vorne schauen!" gewinnt Lars Day Preis 2017

Die Jugendbegegnung "Dikh angle! Nach vorne schauen!" hat den diesjährigen "Lars Day Preis – Zukunft der Erinnerung" gewonnen. Der Lars Day Preis wird von der Lars Day Stiftung und der W. Michael Blumenthal Akademie des Jüdischen Museums Berlin vergeben. Mit dem Preis werden Organisationen, Vereine, Initiativen und Einzelpersonen ausgezeichnet, die gemeinsam mit jungen Menschen an national­sozialistisches Unrecht und weitere Verbrechen gegen die Menschheit erinnern und sich dabei für den Erhalt der Demokratie und für ein gleichberechtigtes Zusammenleben in Vielfalt einsetzen. Die Preisverleihung findet am 7.11.2017 um 19 Uhr in der Akademie des Jüdischen Museums Berlin statt.

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Romane Krla

Romane Krla - ein neues Amaro Drom-Projekt zu Erinnerungskultur und Menschenrechtsbildung

Das Projekt zielt darauf ab, 8-10 junge Rom*nja zu Multiplikator*innen in den Themenbereichen der Erinnerungskultur und Menschenrechtsbildung zu werden.

Romane Krla - Die Roma Stimmen ist ein Projekt von Amaro Drom e.V. in Kooperation mit Studentim – Jüdische Studierendeninitiative Berlin e.V., das von der Stiftung EVZ finanziert wird. Ziel ist es, junge Rom*nja als Multiplikator*innen auf dem Gebiet Erinnerungskultur und Menschenrechtsbildung auszubilden.

Das Projekt, das im Juni 2017 begann und im Dezember 2018 endet, bietet eine einzigartige Gelegenheit für junge Rom*nja-Aktivist*innen und Multiplikator*innen, auf ihren bisherigen Erfahrungen aufbauend Fähigkeiten zu erweitern und entwickeln, um Multiplikator*innen für die Geschichte und Erinnerungskultur von Rom*nja, Jüd*innen (und andere Minderheiten) zu werden. Die Teilnehmer*innen erlernen didaktische und pädagogische Fähigkeiten, die ihnen Wissen und praktische Fertigkeiten zur Verfügung stellen, um pädagogische und informative Aktivitäten umzusetzen, die Bewusstsein schaffen für die Ermordung von Rom*nja, Jüd*innen und anderen Minderheiten während des Zweiten Weltkrieges sowie vergangene und aktuelle Mechanismen von Rassismus.

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Neuer Vorstand für Amaro Drom e.V.

Pressemitteilung 29.05.2017

Partizipation junger Rom*nja und Sinti*zze stärken, Gesellschaft mitgestalten und Rassismus entgegentreten


Vom 19. bis 21. Mai 2017 fand in Eschwege (Hessen) die jährlich einberufene Mitgliederversammlung von Amaro Drom e.V. statt. Zwei Tage lang diskutierte das höchste entscheidungsfindende Gremium des Vereins über die Ziele und das Selbstverständnis des Gesamtverbandes und über konkrete Umsetzungsmöglichkeiten derselben. Am Sonntag wählte die Mitgliederversammlung einen neuen Vorstand. Als Vorstandsvorsitzende wurde Gabriela Bot wiedergewählt. Sie wird unterstützt durch Silas Kropf und Emran Elmazi als Stellvertreter. Denisz Petrovity wurde als Schatzmeister wiedergewählt. Mit Sorina Daliana Bonescu, Faton Mistele und Nasmija Hasani wurden zudem drei Jugendliche als Beisitzer*innen in den Vorstand gewählt.

   Der neue Amaro Drom-Vorstand (v.l.n.r.): Denisz Petrovity, Gabriela Bot, Silas Kropf, Emran Elmazi (nicht im Bild),
   Sorina Daliana Bonescu, Faton Mistele und Nasmija Hasani

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Dikhen Amen beim Nationalen Integrationspreis

Das Amaro Drom-Projekt "Dikhen amen! Seht uns!" wurde vom Bundesjugendring als Kandidatin für den Nationalen Integrationspreis 2017 vorgeschlagen. Am 17.5.2017 hat Joschla Weiß, die pädagogische Leiterin von Dikhen Amen, das Projekt auf der Presiverleihung im Bundeskanzleramt vertreten. Ihr findet sie auf dem Gruppenfoto ganz links in der zweiten Reihe. Mehr Infos zum Nationalen Integrationspreis gibt es HIER.

Foto: Bundesregierung / Guido Bergmann

Foto: Bundesregierung / Guido Bergmann

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Voraufführung "Become Refugee"

 

Das Video der Voraufführung könnt ihr euch hier ansehen:

https://youtu.be/YSpLW90BS3U

 

Was: Voraufführung des Theaterprojekts „Become Refugee“ (Arbeitstitel)

Wann: 16. Mai - 19 Uhr

Wo: Tak-Theater, Prinzenstraße 85 F in 10969 Berlin Kreuzberg (ca. 50 m vom Moritzplatz)

Worum geht's: Irgendwo in einer deutschen Stadt. Eine junge Tanzgruppe bereitet sich auf ihren bislang wichtigsten Auftritt vor, einen Wettbewerb den sie unbedingt gewinnen wollen! Sie sind gut, motiviert, und auf alles vorbereitet.Aber darauf nicht: Zwei der stärksten Crew-Mitglieder sollen abgeschoben werden. Zwischen Angst vor dem was kommt und dem Drang weiterzumachen, stellt sich die Frage nach den persönlichen Auswirkungen abstrakter Gesetzte, die auf einmal gar nicht mehr abstrakt sind. Das Projekt Become Flüchtling schafft ein neues Bewusstsein für die verbreitete Abschiebepraxis, die aus einem Deutschen über Nacht einen Flüchtling macht.

Sandra Selimović, selbst Geflüchtete, entwickelt das Stück mit jugendlichen Roma von Amaro Drom e.V. und mit professionellen Schauspieler_innen aus der Roma- und Sinti-Community und bietet mit dieser Voraufführung einen Einblick in ihre Arbeit.

Schauspiel: Estera Iordan, Slaviša Marković, David, Iosif Roman, Elisei Roman, Estera Stan, Iosif Stavarache, Miriam Wagner, Joschla Weiß u.a.; Tanztraining: Safet Mistele; Regie: Sandra Selimović; Dramaturgie: Hanna AlTaher; Projektassistenz: José Fernández Ortega; Projektleitung: Joschla Weiß

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