Statement zum rechtsextremen Terroranschlag in Halle

Amaro Drom e. V.
10.10.2019

Statement zum rechtsextremen Terroranschlag in Halle am 9. Oktober 2019

 

Wir sind unendlich wütend angesichts des gestrigen Terroranschlags in Halle. Wir erklären uns solidarisch mit allen Juden*Jüdinnen in Deutschland und trauern mit den Angehörigen der Opfer. Als Sinti*zze und Rom*nja sind wir selbst immer wieder Zielscheibe von Hass und Gewalt und stehen fest an ihrer Seite.

Der antisemitische Anschlag geschah am jüdischen Feiertag Yom Kippur – dem Versöhnungstag. Juden und Jüdinnen in Deutschland können sich weder an ihrem wichtigsten Feiertag, noch an allen anderen Tagen des Jahres in Deutschland sicher fühlen. Antisemitismus steht in Deutschland nicht erst seit gestern wieder an der Tagesordnung. Antisemitische Einstellungen, Bedrohungen und Übergriffe haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Menschenverachtende Einstellungen gehören wieder zum Alltag in Deutschland. Diese Realität betrifft Juden*Jüdinnen, ebenso wie uns Sinti*zze und Rom*nja sowie Schwarze Menschen und People of Color und andere marginalisierte Bevölkerungsgruppen tagtäglich und sie ist nicht hinnehmbar.

Der Anschlag in Halle ist nicht das Werk eines fanatischen Einzeltäters. Er ist ein Teil der anhaltenden Normalisierung rechtsextremer Einstellungen in unserer Gesellschaft.

Wir wissen seit Langem: der rechte Terror hat System.

Die Existenz von Neonazi-Terrornetzwerken wie dem NSU ist lange bekannt. Ebenfalls bekannt ist der Umstand, dass wichtige Positionen der Exekutive und des Verfassungsschutzes in Deutschland von Personen mit menschenfeindlichen Einstellungen besetzt sind. Der Einfluss von Parteien wie der AfD und von Neonazis in den Parlamenten wächst immer weiter. Die Regierungsparteien versäumen bis heute sich mit aller ihnen zur Verfügung stehenden Macht gegen die Zunahme rechter Gewaltbereitschaft in allen Gesellschaftsbereichen zu stellen. Sie entscheiden sich bis heute dagegen rechte Netzwerke in demokratischen Institutionen, Polizei, Bundeswehr und Verfassungsschutz konsequent zu bekämpfen. Im Gegenteil begleiten sie die seit Jahren andauernde Verschiebung des Sag- und Machbaren mit der Durchsetzung immer neuer Verschärfungen des Asylrechts seit 2014, wie zuletzt dem sogenannten Hau Ab Gesetz. Diese Gesetze sind massive Einschnitte in die Menschenrechte Geflüchteter und tragen zur Weiterverschärfung der rassistischen Stimmung in der Gesellschaft bei.

Zur gleichen Zeit werden Maßnahmen zur Demokratieförderung und Bekämpfung von Rechtsextremismus und Diskriminierung gekürzt* und erst nach massiven Protesten der von den Kürzungen betroffenen Akteur*innen der Zivilgesellschaft werden diese fatalen Signale an die Gesellschaft offiziell hinterfragt.**

Für diese Politik und den fehlenden politischen Willen alle Menschen in Deutschland konsequent zu schützen, bezahlen Juden und Jüdinnen, Schwarze Menschen, People of Color und Rom*nja und Sinti*zze tagtäglich mit der Einschränkung ihrer Freiheit und der Aufhebung ihres Rechts auf Unversehrtheit. Dieses Versagen bezahlen sie auch mit dem Leben.

Mehr als 200 Menschen wurden seit den Neunziger Jahren Opfer rechter Gewalt in Deutschland.*** Wir fordern Antisemitismus in Deutschland ernst zu nehmen, einen effektiven Schutz für die Jüdischen Gemeinden und die Solidarität mit den Opfern des gestrigen Terroranschlags. Wir fordern eine lückenlose Aufklärung des Terroranschlags in Halle und seiner Hintergründe. Wir fordern entschlossene Maßnahmen gegen rechte Netzwerke in allen gesellschaftlichen Institutionen. Wir fordern ein klares Bekenntnis der Bundesregierung zum Kampf gegen Antisemitismus, Rassismus und alle Formen von Menschenfeindlichkeit. Dieses Bekenntnis erfordert neben klaren Worten vor allem Taten, die den politischen Willen zeigen Deutschland endlich zu einer Gesellschaft der Vielfalt zu machen, in der die Menschenrechte aller geachtet und geschützt werden.

Merdjan Jakupov
Geschäftsführer Amaro Drom e.V.

 

* https://www.neues-deutschland.de/artikel/1126312.demokratie-leben-fatales-signal-an-zivilgesellschaft.html


** https://www.spiegel.de/politik/deutschland/demokratie-leben-demokratieprogramm-nach-kritik-aufgestockt-a-1290725.html


*** https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/todesopfer-rechter-gewalt/

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Workshops zu Antirassismus und Empowerment

Junge Rom*nja und Sinti*zze leiten Workshops für Jugendliche

 
Was bieten wir an?

Wer mit Jugendlichen arbeitet, weiß, dass es auch unter ihnen zu Anfeindungen gegenüber Roma und Sinti (gegendert Rom*nja und Sinti*zze) kommt. Um an dieser Situation etwas zu ändern, bieten wir Workshops für Jugendliche an. Die Workshops eignen sich, um Jugendliche für die Diskriminierung von Rom*nja und Sinti*zze zu sensibilisieren. Sie eignen sich außerdem zur Stärkung junger Rom*nja und Sinti*zze. Durch die Workshops lernen die Teilnehmer*innen, wie sie sich in rassistischen Situationen solidarisch verhalten können.

Fotos © Nihad Nino Pušija & Amaro Drom

 
Welche inhaltlichenSchwerpunkte gibt es für die Workshops?

Geschichten der Rom*nja und Sinti*zze

- Was sind die Geschichten der Rom*nja und Sin-ti*zze?
- Was wurde Rom*nja und Sinti*zze im National-sozialismus angetan?
- Welche Geschichten von Widerstand gibt es?

Der spezifische Rassismus gegen Rom*nja und Sinti*zze

- Was ist Rassismus?
- Warum diskriminieren Menschen Sinti*zze und Rom*nja?
- Wie beeinflusst Rassismus die Lebensrealitäten von Rom*nja und Sinti*zze?

Empowerment junger Rom*nja und Sinti*zze

- Was bedeutet es junge*r Rom*ni oder Sinto*Sintizza zu sein?
- Wie behaupten sich junge Rom*nja und Sinti*zze?

Welche Formen von Diskriminierung gibt es noch und wie hängen sie mit Rassismus gegen Rom*nja und Sinti*zze zusammen?

 

Wer ist die Zielgruppe? Was sind die Workshop-Formate?

Unsere Workshops eignen sich für Jugendliche ab 13 Jahren. Sie eignen sich für Schulklassen und Gruppen in Jugendverbänden, Mädchenläden, Jugendclubs etc. Die Workshops richten sich an alle Jugendgruppen – unabhängig davon ob Rom*nja und Sinti*zze Teil der Gruppe sind.
Die Workshops sollten mindestens 90 Minuten dauern. Wir bieten auch ganze Projekttage oder Wochenendseminare an. Wir arbeiten bundesweit. Die Workshops können u.a. auf deutsch, romanes, serbo-kroatisch, rumänisch oder englisch durchgeführt werden.

 

Wer sind die Teamer*innen?

Alle Teamer*innen sind Rom*nja und Sinti*zze zwischen 18 und 30 Jahren. Die Teamer*innen kommen aus verschiedenen Teilen Deutschlands und sind aktive Mitglieder von Amaro Drom. Sie wurden im Rahmen des Projektes „Dikhen amen! Seht uns!“ zu Teamer*innen der Jugendbildungsarbeit qualifiziert.

 

Das Projekt „Dikhen amen! Seht uns!“

Die Teamer*innen-Ausbildung ist Teil des Projekts „Dikhen amen! Seht uns!“ von Amaro Drom. Die Projektziele sind das Empowerment junger Rom*nja und Sinti*zze und die Sensibilisierung von anderen Jugendlichen. Dafür haben Expert*innen aus der Community eigene Methoden entwickelt. Diese Methoden haben die jugendlichen Teamer*innen in einer einjährigen Qualifizierung erlernt.

 

Wie kann man Workshops buchen?

Bei Interesse melden Sie sich bei uns. Wir passen unser Angebot den Bedürfnissen ihrer Jugendgruppe an. Die genauen Konditionen klären wir im persönlichen Gespräch.

Das Team von "Dikhen amen! Seht uns!" (v.l.n.r.):
Anna Friedrich, Éva Ádám, Anita Burchardt

Kontakt

Éva Ádám (pädagogische Leitung „Dikhen amen!“)
Tel: 030-616 200 10

E-Mail

Amaro Drom e.V.
Prinzenstr. 84, Aufgang 1 | 10969 Berlin


Die Ausbildung von jugendlichen Rom*nja und Sinti*zze zu Workshop-Teamer*innen bildete den Kern des Projektes „Dikhen amen!“ (2015-2019). Das Projekt wurde gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!". 2019 wurde das Projekt außerdem gefördert durch das Deutsche Kinderhilfswerk, das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, die Rosa-Luxemburg-Stiftung, die Amadeu Antonio Stiftung, den Lush Charity Pot, die Bundeszentrale für politische Bildung und das Collegium Novum.

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Amaro Drom als Beispiel guter Praxis in INBAS-Studie

Im Mai 2019 wurde die Studie „Die Rolle von Migrantenorganisationen im Flüchtlingsbereich. Bestandsaufnahme und Handlungsempfehlungen“ veröffentlicht. Die Studie wurde im Auftrag der Bundesintegrationsbeauftragten und mit Förderung der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, INBAS-Sozialforschung durchgeführt und kann hier nachgelesen und runtergeladen werden. Neben 15 weiteren Organisationen, die sich der Arbeit mit Geflüchteten widmen, wird Amaro Drom in der Studie als ein Beispiel guter Praxis vorgestellt.

 
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PM Rassistische Ermittlungsmethoden der Polizei Leipzig

Romano Sumnal e.V.

Pressemeldung zu rassistischen Ermittlungsmethoden der Leipziger Polizei

20.8.2019

Wir sind entsetzt über das Verhalten und die Methoden der Polizei Leipzig. Im Zuge der Ermittlungen und Prävention von Diebstahl während des Musikfestivals stellte die Polizei Rumänische Staatsbürger unter Generalverdacht, in dem sie durch einen offiziellen Brief Hotel und Hostelbetreiber dazu aufforderte der Polizei Meldung zu geben, sollten sich in ihrem Haus rumänische Gäste befinden. Diese Methoden der Leipziger Polizei ist zu tiefst rassistisch und verachtend. Es steht einer Behörde nicht zu Menschen nur auf Grund ihrer Staatsangehörigkeit unter Generalverdacht zu stellen. Viele unserer Mitglieder stammen aus Rumänien und fühlen sich dadurch zu tiefst betroffen. Es kommt oft dass Sie aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit und ihrer Zugehörigkeit zur Minderheit der Roma in Rumänien und Deutschland derart rassistisch verurteilt und auch verfolgt werden. Wir fordern die Polizeibehörde Leipzig auf, derartige Methoden zu unterlassen und sich öffentlich bei allen Menschen mit Rumänischer Staatsangehörigkeit zu entschuldigen. Rassismus hat in Behörden nichts zu suchen auch nicht bei der Polizei.
 
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Europäischer Holocaust-Gedenktag für Sinti*zze und Rom*nja

Am 2.8.2019 fand in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau eine Gedenkzeremonie anlässlich des Europäischen Holocaust-Gedenktages für Sinti*zze und Rom*nja statt. Vor 75 Jahren - in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 - wurde an diesem Ort das Lager, in dem Sinti*zze und Rom*nja inhaftiert waren, aufgelöst. Nachdem alle als arbeitsfähig eingestuften Gefangenen nach Deutschland zur Zwangsarbeit deportiert wurden, ermordeten SS-Angehörige in der Nacht auf den 3. August 1944 die mehr als 4000 verbliebenen Rom*nja und Sinti*zze in Gaskammern – darunter vor allem Frauen, Kinder und ältere Menschen. Insgesamt wurden während des Nationalsozialismus 90% der europäischen Rom*nja und Sinti*zze (ca. 500.000 Menschen) ermordet.

Jedes Jahr erinnern der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und der Polnische Roma-Verband in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau an die Verfolgung und Ermordung der Sinti*zze und Rom*nja während des Nationalsozialismus. Wie jedes Jahr nahmen mehrere hundert Jugendliche im Rahmen der Jugendbegegnung Dikh He Na Bister - Roma Genocide Remembrance an der Gedenkveranstaltung teil. Unter ihnen waren auch Jugendliche von Amaro Drom und den lokalen Organisationen junger Rom*nja und Sinti*zze in Deutschland.

Weitere Fotos und Informationen zu den Redner*innen gibt es auf der Facebookseite von Amaro Drom sowie auf der Website des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma.

Fotos © Rebecca Agnes

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