Zusammenfassung Bundesjugendtreffen 2021

Vom 12. bis 15. November 2021 fand in der Jugendherberge Düsseldorf das Bundesjugendtreffen „Terne Rom*nja und Sinti*zze“ statt, das in diesem Jahr gemeinsam mit unserem Landesverband in Nordrhein-Westfalen, Carmen e.V., organisiert wurde. Gefördert wurde das Bundesjugendtreffen in Düsseldorf durch das Bundesprogramm „Demokratie Leben!“ im Zusammenhang mit dem im September 2021 bei Amaro Drom e.V. gestarteten Projekt „Kompetenznetzwerk Antiziganismus“.

Rund 60 Angehörige der Community der Rom*nja und Sinti*zze in Deutschland befassten sich während des Bundesjugendtreffens mit den Themen Empowerment, Bildung, Antiziganismus, Theater, Medien sowie mit der Geschichte und Sprache der Rom*nja und Sinti*zze.

 

Am Samstag, den 13.11.2021, fand nach der Workshopreihe ein Communityabend in der Freizeitstätte Spektakulum in Düsseldorf-Benrath statt. Somit wurde auch der Düsseldorfer Community die Möglichkeit gegeben, das Bundesjugendtreffen kennenzulernen. Der Communityabend bot zudem weitreichende Gelegenheit zum gegenseitigen Austausch und zur Vernetzung zwischen den Teilnehmer*innen.

Am Sonntag, den 14.11.2021, erinnerten die Teilnehmer*innen am Mahnmal am Höherweg an die zwischen 1938 und 1945 internierten, deportierten und ermordeten Rom*nja und Sinti*zze. Das öffentliche Gedenken begann um 14:00 Uhr. Am Gedenken nahmen neben den Teilnehmer*innen des Bundesjugendtreffens die SPD-Kommunalpolitikerin Katharina Kabata sowie zahlreiche Aktivist*innen der Düsseldorfer Community der Rom*nja und Sinti*zze teil. Die Gedenkveranstaltung wurde mit einer Kranzniederlegung und dem Besuch der Roma-Moschee Düsseldorf beendet.

Den Abschluss des Bundesjugendtreffens bildete in diesem Jahr die Podiumsdiskussion am Vormittag des 15. November 2021. Dabei diskutierten die Teilnehmer*innen des Bundesjugendtreffens mit Anne Dierenfeldt, Mitglied der Ratsfraktion – Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Wuppertal und Helge Lindh, Mitglied des Deutschen Bundestages, Themen wie die aktuelle politische Lage in Deutschland, den weitverbreiten Antiziganismus sowie Möglichkeiten zu seiner Bekämpfung und zur Verbesserung der politischen Partizipation von Rom*nja und Sinti*zze. Darüber hinaus wurden auf der Podiumsdiskussion Fragen der Bildungssituation, des Bleiberechts und des Wahlrechts angesprochen. Helge Lindh wies darauf hin, dass das Problem von Rassismus und Antiziganismus in Deutschland nicht auf die äußeren Ränder der Gesellschaft beschränkt sei, sondern in deren Mitte verortet und bekämpft werden müsse. Wichtig sei es in diesem Zusammenhang, vor allem unter Entscheidungsträger*innen in der Politik, der Verwaltung und der Schule darauf hinzuwirken, eingebildetes und gefühltes Halbwissen über Rom*nja und Sinti*zze sowie andere Minderheiten durch eine fundierte, diskriminierungsfreie Perspektive zu ersetzen.

Das Bundesjugendtreffen stellt in der Verbandsarbeit von Amaro Drom e.V. den jährlichen Höhepunkt dar. Es ist das größte bundesweite Zusammenkommen junger Rom*nja, Sinti*zze sowie Nicht-Rom*nja und Nicht-Sinti*zze. In diesem Jahr standen dabei die gegenseitige Vernetzung, die gesellschaftliche und politische Selbstorganisation, die Stärkung des Selbstbewusstseins und der Identität der Teilnehmer*innen im Zentrum der durchgeführten Empowerment- und Weiterbildungsangebote. Unsere Beobachtungen zeigten, dass viele der Teilnehmer*innen in ihrem gesellschaftlichen Umfeld leider weiterhin starke Vorurteile befürchten, wenn sie sich offen zu ihrer Minderheitszugehörigkeit bekennen. Vor allem durch die Beschäftigung mit der eigenen Geschichte und der eigenen Sprache der Rom*nja und Sinti*zze, dem Romanes, fühlten sich indes die Teilnehmer*innen in ihrer Zugehörigkeit zur Community gestärkt sowie dazu ermutigt, sich selbstbewusst gegen Antiziganismus, aber auch gegen jegliche andere Form von Rassismus und Diskriminierung einzusetzen.

Die in den Workshops erzielten Ergebnisse haben zudem erneut deutlich gemacht, dass Antiziganismus und seine Folgen für die Betroffenen auf verschiedenen Ebenen bekämpft werden müssen. Neben der politischer Lobbyarbeit stellendabei insbesondere die dauerhafte Stärkung der Teilhabechancenjunger Rom*nja und Sinti*zze, der Abbau von antiziganistischen Einstellungen in der Mehrheitsbevölkerung und die Dekonstruktion von in der Öffentlichkeit und den Medien verbreiteten Vorurteilen und Stereotypen wichtige Aspekte zur Verbesserung der aktuellen Situation in Deutschland dar.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmer*innen des Bundesjugendtreffens sowie bei allen die uns unterstützt haben! Alle Gliederungen, Bundesgruppen und Landesverbände.

 

Hier könnt ihr die Zusammenfassung als PDF-Datei lesen.

Das Projekt "Kompetenznetzwerk Antiziganismus" wird im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" gefördert.

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