Thaj amen sijam sar tumen!

Thaj amen sijam sar tumen! We are also like you!

Im Projekt „Thaj Amen sijam sar tumen!“ beschäftigten sich 30 junge Roma und Nicht-Roma aus Deutschland, Mazedonien und der Tschechischen Republik mit dem Genozid an den Sinti und Roma während des Nationalsozialismus, Diskriminierung von Sinti und Roma heutzutage in ganz Europa, allgemeinen Menschenrechtsfragen sowie den eigenen Möglichkeiten, Diskriminierung, Rassismus und Ausgrenzung selbstbewusst entgegen zu treten. Das Projekt umfasste zwei einwöchige Jugendbegegnungen in Krakau (Polen) und Mannheim (Deutschland).

Das erste Treffen in Polen nutzten wir für Inputs zur Geschichte der Vernichtung der Roma im Dritten Reich. Wir schlossen uns nach einigen Tagen einer internationalen Jugendkonferenz mit 1000 Teilnehmer_innen an, sprachen mit Überlebenden des Holocaust und gedachten der Räumung des so genannten "Zigeunerlagers" in Auschwitz-Birkenau am 2. August 1944, bei der nahezu 3000 Sinti und Roma ermordet wurden. Beim zweiten Treffen in Deutschland besuchte die Gruppe die europaweit einzige Dauerausstellung zum Roma Genozid im Dokumantations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg. Dort hatten wir außerdem die Möglichkeit zu einer Diskussion mit Romani Rose, dem Vorsitzedenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma.

In Absprache mit den Jugendlichen entwickelten wir zum Abschluss des Projektes gemeinsam kreative Arbeitsmethoden (Video, Comics), um die Emotionen der Teilnehmer_innen im Hinblick auf vergangene und aktuelle Formen des Rassismus gegen Sinti und Roma ausdrücken zu können, gleichzeitig das Selbstbewusstsein der Jugendlichen zu stärken und öffentlichkeitswirksame Produkte herzustellen.
Bei weiterem Interesse kann sich eine Bildstrecke angeschaut werden oder ein englischsprachiger Blog mit detaillierteren Informationen über den Projektverlauf.

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Inspiriert von der traurigen Geschichte des Boxers "Rukeli" Trollmann, einem deutschen Sinto, der aufrgrund der Rassenideologie der Nazis seine aussichtsreiche Boxerkarriere nicht weiterführen konnte, drehte ein Teil der Jugendlichen in Eigenreigie den Film "Rukeli". Joschi Rose, ein Sohn Romani Roses, erzählte diese Geschichte während unseres Besuches in der Dauerausstellung des Dokumantations- und Kulturzentrums Deutscher Sitni und Roma in Heidelberg. Herr Rose ging dabei auch auf die Vefolgungsgeschichte seiner eigenen Familie während der NS-Zeit ein und berührte die Jugendlichen damit sichtlich und nachhaltig. Der Film "Rukeli" thematisiert ihren Ärger und ihr Unverständnis in Bezug auf diese grausame persönliche Geschichte und stellt gleichzeitig den Versuch dar, "Rukeli" als starken tragischen Helden zu zeichnen, der sich den Nazis stellte und seine Würde bis zu seinem Tod verteidigte.

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Eine zweite Kleingruppe beschäftigte sich mit der Technik des Comiczeichnens, um die eigenen Emotionen sowie politische Problematiken bearbeiten zu können. Die Comics erzählen auf eine leichtfüßige und spielerische Art und Weise von Antiziganismus, Diskriminierung, Stereotypen, gesellschaftlichem Ausschluss, Identitätsverleugnung, gesellschaftlicher Anpassung sowie der Stärke und Wichtigkeit von Solidarität.

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Das Gedenken mit insgesamt 1000 Jugendlichen in Auschwitz-Birkenau stellte den Mittelpunkt des Projektes dar. Für viele der Jugendlichen war es das erste Mal in einem ehemaligen Konzentrationslager. Fassungs- und Sprachlosigkeit waren allgemeiner Ausdruck der Gruppe, aber ebenso das Gefühl, mit dem Gedenken so vieler Jugendlicher ein wichtiges Zeichen gesetzt zu haben. Am nachfolgenden Tag konnten die Jugendlichen dann mit Überlebenden des Nationalsozialismus sprechen. Diese waren alle einer Meinung: Es liegt an der jungen Generation, dass sich solche Schrecken nicht wiederholen.

Die zweite Begegnung im Dezember in Mannheim wurde insbesondere von einer Diskussion mit Romani Rose, dem Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, geprägt. Die Teilnehmer_innen erarbeiteten engagiert Fragen für unsere Diskussion und Herr Rose nahm sich insgesamt doppelt so viel Zeit wie geplant, um mit den Jugendlichen zu sprechen. Rose erzählte darüber, wie die Bürgerrechtsbewegung in den 1980er und 1990er Jahren Druck auf die deutsche Regierung ausübte, machte deutlich, dass Antiziganismus als Phänomen zu wenig bekämpft wird und hier noch viel getan werden müsse, forderte Solidarität zwischen Sinti, Roma und Nicht-Roma und forderte insbesondere die junge Generation dazu auf, sich möglichst gut zu bilden, um Stereotypen etwas entgegen setzen zu können.

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