Diskriminierungsbericht des Roma Büro Freiburg

Das Roma Büro Freiburg hat einen Diskriminierungsbericht für das Jahr 2018 veröffentlicht

In Freiburg und Umgebung leben alteingesessen seit Generationen die Sinti mit ihrem „Platz“- Quartier im Stadtteil Weingarten - und Roma zumeist Kriegsflüchtlinge der 90iger und 00er Jahre aus dem ehemaligen Jugoslawien viele noch in den Flüchtlingslagern. „Gastarbeiter“- Roma der 60/70iger Jahre, wie es relativ viele zB in NRW gibt, gibt es im schon seit 100 Jahren deindustrialisierten Freiburg nur wenige wie auch rumänische und bulgarische Roma, letztere arbeiten zumeist in der Saison-Landwirtschaft und in Sex-Dienstleistungen. Die Sinti sind deutsche Staatsbürger und zumeist evangelikal, die Roma oft Moslems weniger Orthodox und meist in unsicherem Status zwischen Duldung und Aufenthalt darunter viele, die abschiebungsgefährdet sind. Die Roma/Sinti Community zählt insgesamt rd. 2500 in Freiburg und Regio - davon rd. die Hälfte unter 20 Jahre. Viele halten sich als Rom bedeckt und outen sich nicht, weil sie die Diskriminierung als „Zigeuner“ vermeiden wollen. In Europa sind die Sinti und Roma mit 8-10 Mio. die größte Minderheit – ein Volk so groß wie beispielsweise Belgien aber verstreut als Minderheit in allen europäischen und darüber hinaus in fast allen Staaten der Welt.

Diskriminierung und Rassismus gegenüber Sinti und Roma ist alltäglich, bis heute, und eine lange Geschichte in Deutschland. Ihr bisheriger Höhepunkt ist der Völkermord während der NS-Zeit. 2018 führte das Roma Büro Freiburg ein Projekt zum Themenkomplex Diskriminierung durch. Eine Gruppe aus Sinti und Roma sammelte das Jahr über Fallberichte, machte Interviews in ihren Milieus und bei Experten, besprach diese in Gesprächsrunden, zog daraus Resümees und begann zu versuchen Gegenstrategien zu entwickeln. Uns geht es um die subjektiven Erfahrungen in rassistischen Vorfällen – um die existenzielle Innensicht – der Individuen und nicht um erfahrungsleere Begriffsakrobatik über Antiziganismus.

Erfahrungsleer sowohl von Seiten der Sinti und Roma (als Objekte) als auch von den von den Rassismus-Erfahrungen der zumeist weißen Schreiber (der Subjekte). Dieser Abstraktionsweg scheint uns nur ein Versuch zu sein, die eigene (Ohn)Macht (weg) zu rationalisieren. Sie sagt nicht, wo man/frau selbst steht - trotz bzw. gerade wegen aller Argumentgebirge und IdeologieGewolke bleibt ja die einzelne Person unsichtbar und körperlos. Die Geschichten fehlen und der Mut zu (mit)fühlen. Diskriminierung und Rassismus gilt ihnen als eine Art Vorurteil, ein Problem des Bewusstseins, welche durch Bildungsprogramme und Sprachkorrekturen therapiert wird bis hin zur Sprachpolizeilichen Überwachung. An diskriminierender Körpersprache und Haltung, an den räumlichen Ausgrenzungspraktiken mit draus folgenden Hierarchisierungen hat sich aber so nichts verändert – trotz langjähriger Bewusstseinsarbeit, 1 Meter Geschriebenem und Zeigefinger Sprachkorrektur - außer dass nun auch der vorletzte Verwaltungsangestellte mit hämisch ironischem Unterton von „Sinti und Roma“ spricht und weiterhin Zigeuner meint.

In diesen vielen, vielen Fallberichten zu Diskriminierung, die wir teilweise zusammen-gefasst haben andere auch nicht abdrucken, kommt eine schwarze Schattenwelt unserer heutigen Gesellschaft ans Licht, die still und leise den Zusammenhalt unserer Gesellschaft vergiftet. Diese Diskriminierungs-Wirklichkeiten werden bis heute öffentlich zumeist beschwiegen. Aber diese Schattenwelten sind nicht unsere GanzSicht auf die heutige Gesellschaft – es gibt daneben genauso die positiven Geschichten, Momente und Entwicklungen so auch, dass wir diesen Bericht überhaupt veröffentlichen können, gefördert vom Bundesprogramm „Demokratie leben“.

Dieses Projekt führen wir 2019 fort, nur wird es dazu keine Broschüre geben können sondern nur ein online pdf-Dokument, weil uns die Fördersummen um die Druck und Satzkosten gekürzt wurde. Wir danken allen die daran mitgewirkt haben.

Auf Wunsch der meisten werden die Interview-Zitate allgemein anonymisiert: S für Sinti – R für Roma (bei Roma: EU-R = EUBürger; D für Duldung 6 für wieviel Monate/ A für Aufenthaltsstatus) m/w ; k = Kind, j= Jugendl. e= Erwachsen).

Der Bericht ist zusammengefasst und geschrieben von Madeleine Reinhardt und Tomas Wald.

Zum DOWNLOAD des Diskriminierungsberichts als PDF

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